Sie sind hier:

Geschichte und Gegenwart

Name "Malsch"

Gedicht:Heimatort Malsch

Fastnacht -Nostalgie

Letzenberg

Eindrücke von Malsch

Winter in Malsch

Kirchenbrand 1972

Wein und Poesie

Wein und Zitate

Suchen nach:

Allgemein:

Startseite

Badnerlied

T E R M I N E

Mälscher Fastnachtsschlager

Kontakt

Mitglied werden

Impressum

Der Kirchenbrand
Es ist Freitag, der 23.Juni 1972, 3.45 Uhr. Tiefe Ruhe liegt über Malsch. De Einwohner erholen sich im Schlaf vom vorangegangenen Arbeitstag. Im Osten hat sich der Horizont schon angeschickt, durch ein schwaches Lichtband den heraufziehenden Tag anzukündigen.
Da wird Frau Luise Brucker durch das Klirren von zerbrechenden Fensterscheiben der Kirche wach. Als sie aus dem Haus geht, um nach den vermeintlichen Scheibeneinwerfern zu schauen, sieht sie aus dem 3. Fenster an der Nordseite der Kirche Flammen schlagen und Rauch entweichen. Sie läuft unverzüglich zum Rathaus und löst Feueralarm aus.
Ein Augenzeuge, den die Alarmsirene weckte, erinnert sich: "Ich öffnete das Fenster, von wo aus ich einen guten Blick auf den Bezirk um den Bollenberg hatte und sah zwischen Pfarrheim und Kirche Funken hochsteigen. So schnell mich meine Beine trugen, lief ich zur Kirche. Bis zu meinem Eintreffen hatte Messner Wilhelm Keller schon die Tür geöffnet. Durch die Sakristei (heute alte Sakristei) gelangte ich in die Kirche. Stehend heiße Luft und beißender Rauch schlugen mir ins Gesicht. Aus dem linken Beichtstuhl loderten etwa 6 m hohe Flammen, die schon beinahe die Holzdecke über der Fensternische erreicht hatten. Inzwischen war es einem jungen Mann aus der Nachbarschaft gelungen, mit einem Handfeuerlöscher die Flammen, die aus dem Beichtstuhl schlugen zu ersticken. Aber wenige Augenblicke später entzündete sich das heiß gewordene Holz an der Decke, und im Handumdrehen sah ich schon die Flammen durch das Dachgebälk schlagen. Jetzt hatte sich der Feuerherd ein Loch für genügend Sauerstoffzufuhr geschaffen. Während die gefräßigen Flammen im 200 Jahre alten Gebälk ihr Vernichtungswerk fortsetzten, trugen zwei wagemutige Bürger den hölzernen Altar, von dem aus die Messe seit der Liturgiereform gefeiert wurde, in die Sakristei. Die inzwischen am Brandort eingetroffene örtliche Feuerwehr zog noch den Teppich des Mittelgangs ins Freie. Da sonst im Inneren nichts mehr zu retten war, versuchten die Männer der Wehr mit ihren Schläuchen das brennende Dach zu löschen. Dieser Versuch blieb infolge der zu geringen Spritzenleistung ohne Erfolg. Prasselnd fielen die Ziegel auf den Speicherboden und vertrieben den letzten Retter aus dem Kircheninneren. Dieser hatte mit einer Leiter den Versuch unternehmen wollen, die Figuren der 14 Nothelfer zu retten. Alle Gunst stand an diesem Tag auf der Seite der zerstörenden Gewalt. Ein weiteres Missgeschick war der außergewöhnlich starke Wind in den Morgenstunden dieses Tages. Mit rasender Geschwindigkeit fraßen sich die von Sturmböen gut genährten Flammen im Dachstuhl unaufhaltsam weiter, und nach knapp 25 Minuten stand an der höchsten Stelle des Ortes eine riesige Feuerglocke, die weit ins Land hineinleuchtete. Alle versuche der aus den Nachbarorten herbeigeeilten Feuerwehren, gegen dieses Inferno etwas auszurichten, schlugen fehl. Etwa gegen 5 Uhr brach die brennende Decke mit großem Getöse und hochwirbelndem Funkenflug in das Kirchenschiff und begrub alles unter sich. Die vielen Zuschauer standen stumm und erschreckt und wie gelähmt, als der brennende Dachstuhl donnernd zu Boden stürzte. Nicht wenige hatten Tränen in den Augen. Hilflos mussten sie erleben, wie die Orgel, die Kanzel, die Seitenaltäre, die barocke Taufszene Jesu auf dem Taufbecken und die Statuen der 14 Nothelfer für immer verloren gingen.
Von der zweiten Turmetage aus bestand ein Einstig in den Kirchenspeicher. Durch diese Öffnung drang die Hitze von mehreren hundert Grad Celsius in das Turminnere und setzte zuerst die hölzernen Zwischenetagen in Brand. Die Sogwirkung des Turmes brachte es mit sich, dass bald auch der Turm gänzlich in Flammen stand. Eine schaudererregende Fackel loderte über Malsch. Lang Flammenarme griffen bisweilen zu den Schallöffnungen heraus. Dann kam der Augenblick, als die Turmspitze herabzustürzen begann. Der Südwind knickte zuerst das stark ausgebrannte Helmgerippe im oberen Drittel nach Osten ein. dann stürzte auch der untere Helmteil herab. Wie von unsichtbarer Hand gelenkt fielen die noch brennenden Balken genau zwischen die Sakristei und das Haus von Wilhelm Keller. Hier konnten die Trümmer dann von der Feuerwehr gelöscht werden, ohne dass die so dicht bei der Kirche stehenden Wohnhäuser zu Schaden kamen.
Eine Brandmauer zwischen Chor und Langhaus hatte zunächst bis zum Zeitpunkt der Entflammung des Turms verhindert, dass das Dach über dem Chor mit dem darunter stehenden Hochaltar und dem Bildnis der Kirchenpatronin brannte. Aber die zu große Hitze der noch im Kirchenschiff brennenden Deckenbalken vollendete das unbegreifliche Geschehen.
Gegen 6 Uhr stand außer den Umfassungsmauern nichts mehr. Ein leeres Mauergerippe war alles, was von der einstigen Barockkirche übriggeblieben war. Ein breiter Riss klaffte über dem südlichen Chorfenster. Einzig und allein die Sakristei war vom Vernichtungswerk des Feuers verschont geblieben. Zwar hatte das Dach durch herabgestürzte Turmbalken einige Löcher bekommen, doch die Einrichtung war unversehrt geblieben."
Trotz aller Niedergeschlagenheit fassten die Verantwortlichen nach alternativen Bauvorschlägen den Entschluss, die Kirche unter Verwendung der stehengebliebenen Mauern wieder aufzubauen. Die Aufbauarbeiten begannen am Montag, den 11. Dezember 1972 und dauerten bis in den ersten Apriltagen des Jahres 1974.



Katholische Pfarrkirche St. Juliana, erbaut 1771, nach dem Brand 1972 restauriert

Bilder

Bilder