Sie sind hier:

Geschichte und Gegenwart

Name "Malsch"

Gedicht:Heimatort Malsch

Fastnacht -Nostalgie

Letzenberg

Eindrücke von Malsch

Winter in Malsch

Kirchenbrand 1972

Wein und Poesie

Wein und Zitate

Suchen nach:

Allgemein:

Startseite

Badnerlied

T E R M I N E

Mälscher Fastnachtsschlager

Kontakt

Mitglied werden

Impressum

Weinwanderweg


Der Wein- und Wallfahrtsort Malsch mit seinen 3400 Einwohnern liegt am Fuße des 246 Meter hohen Letzenbergs, der mit seinem westlichen Steilabfall bis an die Bundesstraße 3 reicht und den nordwestlichen Eckpfeiler des Kraichgaus bildet. Seinen Gipfel krönt die im Jahre 1902 erbaute Wallfahrtskapelle. Zweimal im Jahr, im Mai und September, lädt die Katholische Pfarrgemeinde Malsch die Gläubigen der engeren und weiteren Umgebung zur Muttergotteswallfahrt ein. Der Reiz der weiten Aussicht, die gegen Süden bei klarem Wetter bis zur Hornisgrinde im nördlichen Schwarz-wald, zu den Porphyrsteinbrüchen von Dossenheim und Schriesheim im Norden, über die vieltürmige Bischofsstadt Speyer hinweg bis zum Haardtgebirge im Westen und den Hügelketten des Kraichgau im Osten reicht, machte den Letzenberg auch zu einem gerne besuchten Ziel von Schulausflügen und Tageswanderungen.
Auf der auf festen Wegen auch motorisiert erreichbaren Bergkuppe mit Parkplatz bietet eine herrliche Grünanlage mit Parkbänken Ruhe und Möglichkeit zur Erholung. Gute Wanderwege führen um den Berg und durch das Rebenmeer am Letzenberg. Renommierte Gasthöfe im Weindorf mit gut geführter Küche kredenzen die bodenständigen Spitzenweine „Malscher Ölbaum" und „Malscher Rotsteig".
Das Dorf, dessen erste urkundliche Erwähnung im Lorscher Codex auf das Jahr 783 zurückgeh
t, hat eine reiche geschichtliche Vergangenheit. Schon die Römer siedelten auf der heutigen Gemarkung. Funde von römischen Terrasigillatagafäßen bezeugen dies. Nach dem Zerfall des römischen Reiches nahmen die Allemannen die Gegend in Besitz. Im Jahr 783 vermachte eine Ordensfrau ihren gesamten Besitz in Malsch dem Kloster in Lorsch. Dies bedeutete gleichzeitig die erste urkundliche Erwähnung des Ortes Malsch. Um 1190 schrieben Lorscher Mönche die letzten Urkunden in den Codex Laureshamensis.
200 Jahre später liegt eine weitere schriftliche Kunde von unserem Dorf vor. 976 gab Kaiser Otto II, die Benediktinerabtei Mosbach mit dem gesamten Besitz dem Bischof von Worms „auf ewige Zeiten zu eigen".
Am 1. September 1302 schenkte der Bischof von Worms „alle Rechte, welche wir im Dorf Malsch besitzen", der Kirche von Speyer.
Berühmtheit erlangte Malsch erst 1525, als in der Osterwoche der Bauernaufstand im Bruchrain am Letzenberg seinen Anfang nahm. Etwa 50 Bauern hatten sich auf dem Letzenberg versammelt. Weil selbst 200 Reiter gegen die eingeschanzten Bauern nichts ausrichten konnten, erhielten diese rasch Zuwachs. 500 - 600 Mann kamen zusammen (Malscher Haufen), wurden dreister, erbrachen den Weinkeller des Domkapitels in Malsch und prosteten in Freude der neuen Freiheit zu.
Doch schon bald brach der Aufstand zusammen. Die Unterworfenen mussten einen Vertrag unterschreiben und die Strafe anerkennen.
Schwer lastete die Strafe auf der Gemeinde. Malsch war bei dem Gemetzel und dem fürchterlichen Brand vollständig -samt Kirche und kurfürstlichen Besitztümern wie Weinkeller und Zehntscheuer - in Schutt und Asche gelegt worden.
Der zerstörte Weinkeller des Bischofs wurde später wieder aufgebaut. Im Zehntkeller, den die Gemeinde erwarb und sanierte - ist noch eine Tafel mit folgender Inschrift zu sehen:
„Anno Domini 1573 - Wendel Geyer, derzeit Fäut zu Kislaw bauty mich neu". Das Schicksal meinte es auch im 30-jährigen Krieg nicht gut mit Malsch. 1622 wurde der Führer der katholischen Truppen, der kaiserliche Feldherr Tilly, von dem Grafen Mansfeld, dem Führer der evangelischen Union bei Mingolsheim, empfindlich geschlagen. Im Zusammenhang mit diesem Gefecht wurden viele Häuser niedergebrannt, den Besitzern die geringe Habe geraubt. Als es 1633 zur Schlacht zwischen den Kaiserlichen und den Schweden vor den Toren Wieslochs kam, musste auch Malsch zum wiederholten Male Blutzoll zahlen. Wer den Krieg überlebte, wurde von der Pest weggerafft. Nur wenige Einwohner überlebten.
Nach einem mühseligen Aufbau plünderte im pfälzischen Erbfolgekrieg der französische General Melac mit seinen Männer 1689 und 1693 den Ort und legte ihn in Schutt und Asche.
Ein schwerer Schicksalsschlag traf die katholische Pfarrgemeinde in den Morgenstunden des 23. Juni 1972 als die alte, der Kirchenpatronin St. Juliana geweihte Pfarrkirche mit ihren wertvollen barocken Altären und reichem Figurenschmuck ein Raub der Flammen wurde. Die wiederaufgebaute Kirche mit ihren aus einer alten Kirche übernommenen Barockaltären, mit der im romanischen Kirchturm eingerichtete Kapelle, ist ein Schmuckstück gewordenund zählt wie die Letzenbergkapelle und der nach dem Bauernaufstand 1525 wieder aufgebaute und 1991 renovierte Zehntkeller am Kirchberg zu den Sehenswürdigkeiten von Malsch.
Trotz der Wirrungen und Schicksalsschläge der Geschichte, ließ sich die Malscher Bevölkerung nicht kleinkriegen. Jeder Zerstörung folgte der Wiederaufbau. Leider wurden bei den Kriegsereignissen fast alle Zeugnisse der Vergangenheit zerstört. Nur wenige schöne Fachwerkhäuser weisen noch auf den Fleiß und die Tatkraft unserer Vorfahren hin. Der Verkehrs- und Heimatverein Malsch e.V. gab aus Anlass der 1200-Jahrfeier das Malscher Heimatbuch „1200 Jahre Malsch -Menschen-Schicksale-Ereignisse" heraus. Das Buch kann im Rathaus erworben werden.
Die Probleme des Wiederaufbaus nach dem letzten unseligen Krieg sind gelöst. Alle Infrastrukturmaßnahmen sind durchgeführt. Malsch hat eine geordnete und hygienisch saubere, einwandfreie und ausreichende Wasserversorgung. Die Abwasserprobleme wurden frühzeitig erkannt und gemeinsam mit den Nachbargemeinden Bad Schönborn und Kronau wurde eine leistungsfähige Kläranlage erstellt. Die Vorschriften zur 3. Reinigungsstufe sind erfüllt.
Für das kulturelle Leben und die Förderung von Sport und Spiel hat die Gemeinde in den letzten 25 Jahren sehr viel getan. Die Grund- und Hauptschule wurde 1964 eingeweiht. Das der Schule angeschlossene Schwimmbad ist der Öffentlichkeit zugänglich. Die Letzenberghalle steht neben der Schule den örtlichen Vereinen zur Ausübung von Hallensport wie für Gemeinschaftsveranstaltungen zu Verfügung.
In Herbst 1981 ging die Reblandhalle mit 4 Kegelbahnen im Untergeschoss in Betrieb. Damit wird vor allem dem Handballsport die Möglichkeit gegeben, in einer wettkampfgerechten Halle mit Zuschauertribünen Leistungssport zu treiben.
Der Ruf des Weinortes als Sport- und Handballhochburg ist unter anderem begründet durch mehrere deutsche Meisterschaften im Ringen; die Malscher Handballer waren in den höheren bundesdeutschen Spielklassen vertreten, die Jugendarbeit ist als vorbildlich zu bezeichnen.
Im Zuge der Dorfsanierung wurde 1991 der historische „Zehntkeller" seiner Bestimmung übergeben. Mit großem Aufwand hat die Gemeinde das Anwesen saniert und damit einen neuen Ortsmittelpunkt geschaffen. In einer gelungenen Verbindung zwischen „Alt" und „Neu" erfüllt das Gemeindezentrum heute vielfältige Bedürfnisse.
Im Fachwerkhaus befindet sich die Gemeindebücherei, die sich eines ausgezeichneten Zuspruchs erfreut. Im gewölbten Keller ist ein Feinschmecker Restaurant eingerichtet. Die zum Ensemble gehörende moderne „Zehntscheuer" gibt den Rahmen für das Kulturprogramm der Gemeinde. In der Reihe „Kulturtreff Zehntscheuer" wird hier Kultur mit Musik, Gesang, Theater, Kabarett usw. geboten. Dieser Veranstaltungsraum steht auch den örtlichen Vereinen für kleine Veranstaltungen und für Familienfeiern, Konferenzen, Tagungen u. ä. zur Verfügung. Die gelungene Sanierung rundet die Freiplastik von Jürgen Goertz, die „Bacchantin" ab. Damit hat die Gemeinde auch etwas für die Kunst im Ort getan und bewiesen, dass man auch in kleineren Gemeinden der Kunst aufgeschlossen gegenübersteht.
Der Letzenberg-Tierpark und sein Restaurant ist zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert. Der im Park eingerichtete Spielplatz ist ein bevorzugter Tummelplatz für Kinder.
In einem Motorsegler der Flugsportgemeinschaft „Letzenberg", die südlich des Tierparks im weiten Hengstbachtal ihren Segelflugplatz mit Flugzeughalle eingerichtet hat, kann man die liebenswerte Landschaft um den Letzenberg aus der Vogelperspektive beschauen.
Der Verein der Vogelfreunde pflegt schon seit Jahren bei den Angelbachwiesen am Hengstbachtal ein über 1 ha großes Vogelschutzgebiet.
Der alljährlich am zweiten Sonntag nach Fronleichnam stattfindende Mälscher Markt, im badischen Marktverzeichnis als Krammarkt bezeichnet, besitzt eine alte Tradition und leitet sich aus einem alten Marktrecht des mittelalterlichen Weindorfes ab.
Zehntausende von Menschen kommen am Fastnachtssonntag zu dem großen Umzug nach Malsch. Unter Federführung des Verkehrs- und Heimatvereins sowie der Karnevalsgesellschaft Blau-Rot ziehen mehr als 30 Motivwagen und Gruppen durch die Straßen des Ortes. Dieser Umzug hat ebenso Tradition wie die weit über die Grenzen unserer Gemeinde hinaus bekannten großen Prunksitzungen der KaGe Blau-Rot.
In den vergangenen 40 Jahren wurden große Neubaugebiete erschlossen. Eine rege Bautätigkeit veranlasste die Gemeinde, die Erschließung des Neubaugebietes „Wolfsheck" in Angriff zu nehmen und fertigzustellen.Im Jahre 2000 kamen die Baugebiete "Horenzacker" und "Mühlweg" dazu. In allen Wohngebieten werden in offener Bauweise schmucke Ein- und Zweifamilienhäuser mit hohem Wohnwert errichtet.
In den letzten Jahren wurden durch die Ansiedlung einiger mittelständischer Unternehmen Arbeitsplätze am Ort geschaffen. Neben einem schon seit mehreren Jahrzehnten vorhandenen Mauerziegelwerk - jetzt erweitert durch ein Dachziegelwerk - handelt es sich vor allem um Betriebe der Behindertentechnik, der metallverarbeitenden und der drucktechnischen Industrie. Die Nähe der Bundesautobahnen und der B 3 sowie die unmittelbare Nähe der Autobahnanschlüsse Walldorf/Wiesloch, Wiesloch/ Rauenberg und Kronau bringen dem Ort und den Gewerbebetrieben eine verkehrsgünstige Lage.
Der größte Teil der Erwerbstätigen findet in den Industriebetrieben der Städte Wiesloch, Walldorf sowie in den Nachbargemeinden Arbeit und Brot.

Die Winzer sind durch die günstige Lage und guten Bodenverhältnisse schon sehr früh zum Weinbau auf genossenschaftlicher Grundlage übergegangen. Heute bilden die in mehreren Teilflurbereinigungen geschaffenen und wegemäßig ausgezeichnet erschlossenen 120 Hektar Rebgelände an den Südhängen des Letzenbergs und dessen Vorbergzone die Grundlage des Weinbaus. Die vornehmlich mit Müller-Thurgau, Weißburgunder und Spätburgunder besetzten Weinberge werden nach den neuesten weinbautechnischen Erkenntnissen bewirtschaftet. "Integrierter Weinbau" ist so in Malsch kein Fremdwort. Die Winzer bewirtschaften ihre Fläche weitgehend nach ökologischen Gesichtspunkten.
Malsch kann man als lebendige Gemeinde bezeichnen, in der man angenehm wohnen und gut leben kann. Wie viele Gemeinden in der näheren Umgebung hat auch Malsch im letzten Jahrhundert der Strukturwandel von landwirtschaftlich geprägtem Dorf über einen Standort der Zigarettenindustrie zu einer attraktiven Wohngemeinde gut überstanden.
"Wein- und Wallfahrtsort Malsch - liebenswert - erlebenswert" - mit diesen Worten überraschen wir unsere Gäste und grüßen wir täglich unsere Einwohner.
Fühlen auch Sie sich wohl in unserer Gemeinde.

aus: Malsch Wein- und Wallfahrtsort